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RetroZocker

Adventure-Revival

Es ist schon viele Jahre her, da florierte das Point-and-Click-Adventure-Genre. Aus den Text-Adventures, die ihre Geschichte komplett per Text erzählt und die man durch Text-Eingabe gesteuert hatte, waren zunächst Grafik-Adventures wie die King’s Quest-, Space Quest- und Leisure Suit Larry-Reihen hervorgegangen, in deren früheren Titeln man den Protagonisten mit den Pfeiltasten durch bunte Welten steuern konnte, die aber immer noch auch über einen Text-Parser steuerbar waren. Als dann die Maus-Steuerung und die anklickbaren Verben bzw. Aktions-Icons dazu kamen, wurden Adventures zugänglich wie niemals zuvor und das ganze Genre erlebte eine Blütezeit. Allen voran die Spiele aus dem Hause Lucasfilm Games bzw. später LucasArts, die auf der sog. SCUMM-Engine (Script Creation Utility for Maniac Mansion) basierten und jahrelang Maßstäbe setzten.

Wer wie ich seinerzeit die SCUMM-Adventures kennengelernt hat, wird sie sicher auch heute noch spielen wollen, da sie einen unheimlich hohen Unterhaltungswert besitzen. Aber habt ihr schon mal versucht, die alten DOS-Spiele unter Windows XP oder Vista, ganz zu schweigen von anderen Betriebssystemen, zum Laufen zu bekommen? Die Installation läuft in der Regel problemlos durch, aber wenn es dann ans Soundkarten-Setup geht, hört der Spaß auf. DOS erlaubte den direkten Zugriff auf die Hardware, moderne Betriebssysteme tun das jedoch nicht, was zur Folge hat, dass die Installation dann im besten Fall keine Soundkarte findet und im schlechtesten Fall vom OS stumpf abgeschossen wird. Also was tun?

Die (Er-)Lösung lautet ScummVM. Dabei handelt es sich um eine virtuelle Maschine, die ursprünglich sämtliche SCUMM-basierten Adventures unter modernen Betriebssystemen zum Laufen bringen sollte. Da das Ziel mittlerweile längst erreicht ist, werden inzwischen auch alte Adventures von vielen anderen Herstellern unterstützt, außerdem wurde das Projekt auf viele unterschiedliche Hardware-Plattformen portiert. Ihr wollt Day of the Tentacle unter Linux spielen? Kein Problem. Monkey Island 2 auf der Playstation 2? Auch kein Problem. Oder doch lieber Beneath a Steel Sky auf einem iPhone? Auch das ist machbar.

Das ganze ist recht einfach einzurichten. Zuerst braucht ihr die Datendateien der Adventures. Daran kommt ihr einfach, indem ihr den jeweiligen DOS-Installer startet und ihn machen lasst, soweit es eben geht. Dann startet ihr ScummVM, klickt auf “Add Game” und navigiert bis zu dem Verzeichnis, in dem die Datendateien jetzt liegen. ScummVM erkennt dann das Spiel und fügt es seiner Konfiguration hinzu. Das war’s, jetzt kann der Spaß losgehen. Es gibt darüberhinaus noch ein ScummVM-Tools-Paket, mit dem man evtl. auf CD vorhandene Audio-Tracks eines Spiels ins MP3-, Ogg Vorbis- oder FLAC-Format komprimieren kann, damit man die Spiele auch ohne CD anwerfen kann. Ein anderes Tool des Pakets nimmt sich die Videosequenzen von z.B. Baphomets Fluch vor und komprimiert sie ins MPEG2-Format.

Um euch mal einen kleinen Vorgeschmack darauf zu geben, was geht: Maniac Mansion, Zak McKracken, Loom, Indiana Jones and the Last Crusade, Indiana Jones and the Fate of Atlantis, Monkey Island 1-3, Day of the Tentacle, Sam & Max Hit the Road, Vollgas, The Dig, Simon the Sorcerer 1+2, Gobliiins 1-3, King’s Quest I-IV, Donald Duck’s Playground (das erste Computerspiel, das mir je begegnet ist: Nostalgie extrem!), Beneath a Steel Sky, Baphomets Fluch 1+2, Flight of the Amazon Queen, Lure of the Temptress und viele mehr, von denen ich noch nie gehört habe. Hier habt ihr eine vollständige Liste.

ScummVM wird wie schon erwähnt auf einer breiten Hardwarebasis unterstützt, damit man auch wirklich in jeder Situation alte Adventures zocken kann. Neben den obligatorischen Plattformen Windows, Linux und MacOS X gibt es aber auch noch Portierungen für PS2, PSP, Symbian OS, Windows Mobile, iPhone, Dreamcast, GameCube, Wii, Nintendo DS, GP2X, Solaris und sogar für Exoten wie AmigaOS 4, BeOS, OS/2. Und so weiter. Manche der unterstützten Adventures sind als Freeware erhältlich und können gleich mit heruntergeladen werden. Hier die komplette Liste.

Warum ich das alles schreibe? Weil ich der Ansicht bin, dass dieses Projekt breite Aufmerksamkeit verdient, weil es einige der bestmöglichen Computerspiele spielbar für die Nachwelt erhält; weil ich mich dort selbst schon mal mit Screenshots für die Homepage und Bug-Reports beteiligt habe, die dazu beigetragen haben, dass die Emulation von The Dig und Monkey Island perfektioniert wurde (und ich daher sowieso ein ScummVM-Fanboy bin); und nicht zuletzt, weil ich, wann immer möglich, das jeweils aktuelle ScummVM für das jeweils aktuelle Ubuntu Linux kompiliere und hier zum Installieren und Losspielen zum Download zur Verfügung stelle. Und dafür etwas werben will (auf ein aktuelles ScummVM aus den Ubuntu-Paketquellen muss man schließlich immer ein halbes Jahr warten). Näheres steht auf meiner Linux-Seite. Also, wenn ihr eine gute Zeit mit einer alten Computerspiele-Perle an einem kalten Herbst-Tag wollt, greift zu!

Kommentare

  1. 8. November 2008 | 18:39

    scummVM ist mir bekannt, aber genutzt habe ich es noch nie richtig. Außer ausprobieren war da nicht mehr drin. Leider, dabei ich hätte ich hier noch die Bestseller CDs von Monkey Island 1&2 und Indy4 liegen. Das ist wieder so etwas fürs nächste Leben oder wenn es keine aktuellen Spiele gibt ;)

  2. 8. November 2008 | 20:39

    Mach das mal, gerade die neueren LucasArts-Adventures sind gut gealtert, die kann man auch heute noch bedenkenlos spielen. ;) Deswegen wurden die vor einigen Monaten ja auch neu aufgelegt. Da habe ich gleich zugegriffen und mir das noch fehlende Vollgas besorgt.

  3. 14. November 2008 | 22:40

    Für die Xbox-Version sei erwähnt das man sich unbedingt “flicker fucker” besorgen sollte, um das ekelhafte Weichzeichnen (um Flackern vorzubeugen) gänzlich zu deaktivieren. Volle Pixelglorie auf dem Fernseher steht damit nichts im Wege.

  4. 14. November 2008 | 23:35

    Wie, DU hast eine Xbox? Hätte ich jetzt nicht gedacht. ;)

  5. 21. November 2008 | 23:46

    Einzige Möglichkeit auf meinem Fernseher Mega Drive in 60Hz zu spielen, leider :(
    Die Originalhardware zickt leider rum, bzw. gibt mein TV kein sauberes Bild aus.

    Spart aber auf jeden Fall viel Platz, braucht man den ganzen Retrokrempel nicht immer im Zimmer rumliegen und einstauben lassen – recht wenn die Xbox zustaubt XD

  6. 22. November 2008 | 11:59

    Genau deswegen spiele ich auch häufiger mit Emulatoren als mit Original-Hardware. Irgendwann hat man ja auch keinen Platz mehr.
    Was ich gern noch mal ausprobieren würde, sind die Homebrew-Möglichkeiten der Wii, insbesondere die Emulatoren. Mit dem letzten Firmware-Update sind die aber wieder mal ausgehebelt worden.

  7. 23. November 2008 | 08:22

    Ich mag ja die Möglichkeit das Spiel “vorzuspulen” und Savestates, Savestates sind die Rettung des videospielenden Mannes ohne Zeit :D (und eingebaute Cheatengines ;D)

    Die Box selbst habe ich mir allerdings nahezu zum Erscheinen in den USA besorgt. Ich habe nämlich 2, die Launch-Box aus den USA (habe ich damals gegen eine E-Gitarre getauscht \m/ ) und meine umgebaute PAL-Huddel (auf der ich gestern abend wieder eine Runde MechAssault gespielt habe… sinnlose Zerstörung von Hochhäusern ist einfach toll).

  8. 23. November 2008 | 14:54

    Ja, Savestates sind wirklich eine sehr große Hilfe. Ich habe mal R-Type durchgespielt, aber nur mit Hilfe von gefühlten 527mal Savestate speichern und Savestate laden.

  9. 3. Januar 2010 | 19:32

    ScummVM ist wirklich nicht schlecht, aber leider klappt es nicht, Savegames von einem DOS-Rechner zu verwenden. Jedenfalls nicht bei Monkey Island…

  10. 4. Januar 2010 | 07:55

    Ja, ScummVM nutzt meines Wissens ein eigenes Format für die Savegames, das sogar Screenshots enthält (zumindest war das mal in Planung, bin grad nicht sicher, ob das schon eingebaut wurde).

  11. Amiga-Fan
    4. Januar 2010 | 15:41

    Ja doch, das ist schon so implementiert.

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